Briefwechsel der Brüder Grimm

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Briefwechsel mit Gustav Freytag, Moriz Haupt, Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Franz Joseph Mone
Kritische Ausgabe - Band 7

Briefwechsel der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm mit Gustav Freytag, Moriz Haupt, Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Franz Joseph Mone, hrsg. von Philip Kraut, Jürgen Jaehrling, Uwe Meves und Else Hünert-Hofmann. 2015. (566 S., 56,00 €; Bestellmöglichkeit)

Alle Briefautoren des  Bandes sind prominente Persönlichkeiten ihrer Zeit. Freytag, später sehr erfolgreich als Romancier, war als junger Mann Universitätsgermanist und arbeitete am Wörterbuch der Brüder Grimm mit, konnte sich jedoch nicht als Wissenschaftler etablieren. Zunehmend rückte er von seinem Breslauer Lehrer Hoffmann von Fallersleben ab, der schon seit 1818 zum engeren Arbeitsumfeld der Grimms gehörte und mit ihnen über deutsche und niederländische Literatur korrespondierte. — Die Brüder Grimm und der jüngere Philologe Haupt tauschten sich über alte Sprachen wie Gotisch oder Griechisch, altdeutsche Literatur und die eigene Forschung aus. Mit dem badischen Germanisten und Archivar Mone verband die Brüder Grimm zugleich Freundschaft und scharfe wissenschaftliche Kritik. Der Zugang zu den Heidelberger Handschriften wurde mit ihm genauso diskutiert wie das Verhältnis von Mythos und Geschichte. — Die Briefe werden durch Apparate, lemmatisierte Kommentare und ein Personenregister erschlossen. Eine kleine Sensation ist, dass zu den Quellen, die der Band 7 zugänglich macht, auch das seit Jahrzehnten verschollene und bisher nie edierte Fragment e des mittelalterlichen Roman de Renart gehört, das Mone einem Brief an Jacob Grimm beifügte.

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Jacob Grimm über den altfranzösischen Roman de Renart
in seinem Buch
„Reinhart Fuchs“ (1834).
(Scan: Library of Congress Washington via archive.org.)

Ein Buch über alte Tiersagen, die um die Figur des listigen und bösartigen Fuchses Reinhart / Reineke kreisen, gehörte schon zu den frühesten Arbeitsplänen der Brüder Grimm. Mit viel Mühe sammelten sie bis dahin unveröffentlichte Textfassungen dieses Stoffs. Ein Buch Jacob Grimms, in dem er alle diese Überlieferungen zusammenfasste und miteinander verglich, erschien erst ein Vierteljahrhundert später (1834) unter dem Titel „Reinhart Fuchs“ in Berlin. Auch sein Briefpartner Mone gab kurz zuvor eine umfangreiche mittelalterliche Reinhart-Fassung heraus, die lateinische, die er für die ursprünglichste hielt. Für diese Edition wiederum überließ Jacob Grimm ihm seine Abschrift eines Manuskripts dieser lateinischen Fassung, das er 1814 in Paris gefunden hatte.

Dass Mone ihm einige Jahre später seinerseits das jetzt im Band 7 der Grimm-Briefausgabe erstmals gedruckte Renart-Fragment e überließ, ist charakteristisch für die Kultur des wissenschaftlichen Austauschs, die im Umkreis der Brüder Grimm gepflegt wurde. Austausch ist dabei nicht nur als Meinungsstreit zu verstehen, sondern auch als liberaler Austausch von Arbeitsergebnissen und Funden. Natürlich vollzog diese Kooperation  sich unter den damaligen Kommunikations- und Verkehrsverhältnissen überwiegend brieflich. Viele der wechselseitig zugesendeten Arbeitsmaterialien wurden von den Briefpartnern niemals vollständig ausgewertet. Jacob Grimm etwa kam nicht zu einem zweiten Band seines „Reinhart Fuchs“, sondern beschränkte sich auf die Publikation später noch gefundener mittelhochdeutscher Textfragmente.

Das Fragment e des Roman de Renart bekam dann kaum noch jemand zu Gesicht. Ein Forscher, der im 19. Jahrhundert die Abschrift in Jacob Grimms Nachlass sah, lobte die hohe Qualität und die textliche Eigenständigkeit des Fragments, die bezeugten, welch großer Anteil hochwertiger literarischer Überlieferung das Mittelalter nicht überdauerte.

Das Fragment ist also typisch dafür,
dass die reichste lebendigste entfaltung der thiersage im 12 jh. auf nordfranzösischniederländischem boden erfolgte, wie Jacob Grimm in dem oben abgebildeten Zitat aus seinem Buch von 1834 formulierte.

Veröffentlicht wurde der Text des Fragments e bisher nie. Der neueren Forschung galt es als verschollen. Das Original im nordfranzösischen Saint-Omer, nach dem Franz Joseph Mone seine Kopie anfertigte, wurde bis heute nicht wiedergefunden. Der Fund hat etwa eine solche Bedeutung, als wenn ein bisher unveröffentlichtes Fragment des Nibelungenliedes auftauchen würde, und ist ein schöner Beleg dafür, dass die Briefwechsel der Brüder Grimm nicht nur wissenschaftsgeschichtlich relevant sind, sondern auch der gegenwärtigen Wissenschaft manches zu bieten haben, was sich anders nicht erlangen ließe.

Briefwechsel der Brüder Grimm, Band 7

Auszüge

Auszüge aus dem Band 1.1

... Brief Franz Joseph Mones vom 27. Januar 1836 mit dem Renart-Fragment e als Beilage

... mehr zum Renart-Fragment e

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