Briefwechsel der Brüder Grimm

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Eigenbeiträge zur Kritischen Ausgabe

Mitglieder der Arbeitsstelle und zwei ihrer Berliner Arbeitspartner haben in dem Programm der Briefausgabe die editorische Arbeit an persönlich-vertraulichen Briefwechseln der Brüder Grimm, einem Kernbereich des gesamten Unternehmens, übernommen.

Damit sind Briefwechsel mit Angehörigen der Familie, mit Freunden und mit besonders wichtigen wissenschaftlichen Arbeitspartnern gemeint. Zu diesem Schwerpunkt der in der Arbeitsstelle entstehenden Eigenbeiträge ist beispielsweise auch der Briefwechsel der Brüder Grimm mit Gustav Hugo zu rechnen.

Dadurch, daß diese vertraulich-persönlichen Briefwechsel die Lebenswirklichkeiten und den geistigen Horizont der Schreibenden relativ allseitig und ungefiltert abprägen, sind sie einerseits inhaltlich besonders gewichtig, wurden aber andererseits von Zeitgenossen und unmittelbar Nachgeborenen als brisant empfunden und sind aufgrund der verständlichen Zurückhaltung, die der Edition von Teilen dieser Korrespondenzen zunächst entgegengebracht wurde, durch die bisherigen Ausgaben nicht angemessen repräsentiert.

Die Gruppe um die Arbeitsstelle Grimm-Briefwechsel arbeitet zur Zeit an zehn in sich geschlossenen Briefwechseln unterschiedlichen Umfangs, die zu sieben Teilbänden gehören. Dabei werden (nach jetzigem Kenntnisstand) insgesamt 1.745 Briefe herausgegeben, davon 855 bislang unveröffentlichte und 783 nur unzulänglich (unvollständig oder inkorrekt) veröffentlichte. 987 der im Programm enthaltenen Briefe sind von Jacob oder Wilhelm Grimm oder beiden geschrieben, 785 sind an sie gerichtet.

 

Folgende umfangreichere Briefwechsel sind unter den in Berlin in Arbeit befindlichen:

  • Jacob und Wilhelm Grimms Briefwechsel mit ihren älteren Verwandten (Mutter, Großvater Zimmer, Tante Zimmer, Vater, Tante Schlemmer), umfassend die Jahre 1787 bis 1813, in denen die Brüder Grimm ihre entscheidenden Prägungen erfuhren;
  • Jacob und Wilhelm Grimms Briefwechsel mit ihrem Bruder Ferdinand aus dem Zeitraum von 1802 bis 1845, der das schwierige Verhältnis der beiden Älteren zu ihrem als Bohemien und Außenseiter lebenden Bruder reflektiert und einen großen Reichtum an persönlichen und literarischen Informationen bietet;
  • Jacob und Wilhelm Grimms Briefwechsel mit Angehörigen der Familien Haxthausen und Droste-Hülshoff (1808—1862), der herausragende Bedeutung für die Kenntnis der Entstehungsgeschichte der Grimmschen volkskundlichen Sammlungen hat und mit einem Anhang volkskundlicher Texte ausgestattet werden soll;
  • Jacob und Wilhelm Grimms Briefwechsel mit Friedrich Christoph Dahlmann und seiner Familie (1830—1858) sowie ihr Briefwechsel mit Georg Gottfried Gervinus (1834—1860), zwei für die Zeit der Brüder Grimm an der Universität Göttingen und für die Geschichte des Göttinger Protests wesentliche Briefwechsel, die bislang nicht vollständig herausgegeben sind;
  • Jacob und Wilhelm Grimms Briefwechsel mit Angehörigen der Familie von Raumer (1809—1858), der über zwei Generationen geführt wird und durch die Freundschaft Wilhelm Grimms mit Friederike von Raumer, geb. Reichardt, und Karl Georg von Raumer einen sehr privaten Charakter hat, durch die Karriere ihres Sohnes, des Grimm-Schülers Rudolf von Raumer, aber zugleich hohen Aussagewert für die Institutionalisierung der Germanistik gewinnt (überwiegend unveröffentlicht);
  • Jacob und Wilhelm Grimms Briefwechsel mit Johann Martin Lappenberg, dem Hamburger Bibliothekar und Historiker, der Jacob Grimm zunächst ein wissenschaftlicher Partner und dann ein Freund wurde (1823—1862, nahezu unveröffentlicht).

Die Editionen dieser Eigenbeiträge der Berliner Arbeitsgruppe, die unterschiedlich weit vorangeschritten sind, werden voraussichtlich über einen Zeitraum von zehn Jahren innerhalb der Kritischen Ausgabe erscheinen.

Berthold Friemel

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